WENDISCHES MUSEUM
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Die abgebildete englische Silbermedaille aus der numismatischen Sammlung des Wendischen Museums wurde 1773 anlässlich der Gründung der Londoner Medizinischen Gesellschaft emittiert. Sie zeigt Königin Sophie Charlotte von Großbritannien und Irland. Geboren als Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz (1744 - 1818), heiratete sie 1761 König Georg III. von England und Irland und wurde im selben Jahr zur englischen Königin gekrönt. In der Literatur wird sie zumeist als deutsche Prinzessin dargestellt. In der maßgeblichen, männlichen Adelslinie indes ist sie eine direkte Nachfahrin der wendischen Fürsten, die im Mittelalter als slawische Herrscher in Mecklenburg saßen. Stammvater war der Obodritenfürst Niklot von Schwerin, der 1160, von Kriegern Heinrichs des Löwen in einen Hinterhalt gelockt, im Kampf um die Freiheit seine Volkes gefallen war.
Das obodritische Wendenvolk ging unter. Seine slawische Sprache und Kultur starben aus. Niklots Nachkommen aber herrschten bis 1918 als Herzöge und Großherzöge Mecklenburgs. Somit entstammt die mecklenburgische Prinzessin, die Königin Englands und Irlands Sophie Charlotte, einem der ältesten Adelshäuser Deutschlands, aber aus ursprünglich wendischem Adel. Sie repräsentiert die XIX. Generation der III. Dynastie des Gesamthauses des Mecklenburgischen Adelshauses nach dem Obodritenfürsten Niklot. Angehörige des Adelshauses bekennen sich bis heute zu ihren wendischen Wurzeln. Herzog Georg Alexander zu Mecklenburg-Strelitz (1921 – 1996), ein sehr geschichtsbewusster Nachkomme Niklots, schrieb 1994 dem Wendischen Museum: “Natürlich wissen die echten Mecklenburger über ihre wendische Abstammung und die vielen Ortsnamen weisen auch darauf hin [...]”
Auch Sophie Charlotte war dies nicht fremd. Das lässt sich aus ihrer Meinung zu den so genannten „Prillwitzer Idolen“ schließen. Sie fand ihren Gefallen an dem „slawischen Pantheon“ der zu ihren Lebzeiten aufgetauchten, vermeintlichen mecklenburgischen Wendengottheiten, die geschickte Fälscher in Umlauf gebracht hatten. In der Meinung, es seien Zeugnisse des heidnischen Glaubens ihrer slawischen Vorfahren, hoffte Sophie Charlotte, diese brächten Ruhm und Anerkennung für ihre mecklenburgische Heimat. Dass es sich aber bei den ausgegrabenen Bronzefigürchen nicht um sensationelle archäologische Funde, sondern um Fälschungen skrupelloser Betrüger handelte, hat sie nie erfahren. Zu Ehren von Königin Sophie Charlotte trägt eine bekannte exotische Blume Afrikas den wendischen Namen Strelitzie, lat. Strelitzia reginae, und mehrere Städte bzw. Regionen in Amerika sind nach ihr benannt.
 
Silbermedaille 1773,
Sophie Charlotte von
Mecklenburg-Strelitz
(1744 - 1818)
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